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Interaktive Schaufenster 2.0


Dienstag, Mai 25, 2010

Gedanken um das Schaufenster der Zukunft, oder wie wir es bezeichnen „Schaufenster 2.0“, machen sich in der Regel Werbeagenturen und Dienstleister die sich dem visuellen Marketing verschrieben haben.

Das wir uns als Lichtgestalter dem Thema annehmen ist meinem persönlichem Interesse geschuldet. Den ersten öffentlichen Publikumstest starteten wir vor kapp zehn Jahren (2001) im Beleuchtungshaus Remagen in Köln. Die Publikums- und Presseresonanz war beeindruckend gut, aber es folgte seinerzeit wenig Interesse von Ladenlokalen und Agenturen.

Genau genommen hat nicht ein Interessent ein derartiges „interaktives“ Vorhaben aus finanziellen Gründen abgelehnt – nicht mal das – es kam nicht eine einzige Anfrage. Wirklich enttäuschend, wenn man der Meinung ist, dass man eine brillante Idee verfolgt hat.

Der Musiker Jan Delay nutzte die Gelegenheit und zeigt die kleine 4:1-Bühne kurz in seinem Musikvideo (die anderen Inhalte des Videos sind nicht arrangiert, sondern realistische Aufnahmen des Kölner Karnevals). Eine kleine Freude am Rande, aber der wirtschaftliche Erfolg mit “interaktiven Schaufenstern” blieb aus.

Mit dem Aufkommen von kleinen und preiswerten TFT-Displays unternahmen wir 2005 mit schaufensterkino einen erneuten Versuch. Das lief prima an, und gipfelte mit der Fertigung von 200 Displays für die Agentur Designdialog, die für Ihren Kunden Ideal Standard ein interaktives POS-Display erdachten.

Etwas erschrocken von der Erfahrung Dinge in Serienfertigung zu produzieren, und zeitgleich vereinnahmt von spannenden Lichtprojekten, haben wir dieses Thema dann erneut vernachlässigt. Der Weg war wohl nicht ganz falsch, heute gibt es kaum ein Schaufenster ohne digitales Display, bis hin zu großen Monitoren mit zielgruppenspezifischen Audio- und Videozuspielungen.

Die Schauwerbegestalter und Agenturen umgarnen Ihre Kunden inzwischen mit Begriffen wie “Digitale Schaufenster” oder “Digital Signage” und beschreiben damit  die aktive oder interaktive Darstellung von Videoinhalten auf Bildschirmen.

Mal davon abgesehen, dass viele derartige Versuche hinsichtlich Kundengewinnung ähnlich anspruchslos sind wie ein lustlos gestalteter DIN-A4-Zettel bei Immobilienangeboten, haben Monitore einen Vorteil. Man erregt Aufmerksamkeit durch bewegte Bilder und hat eine gute Wirkung in den Abendstunden.

Im normalen Tagesverlauf, speziell bei direkter Sonneneinstrahlung lässt die Bildqualität jedoch Wünsche offen. Für Kundengewinnung eher hinderlich sind insbesondere „Eigenproduktionen“, also Monitorinstallationen ohne professionelle Betreuung. PC und ein großer Fernseher sind zwar schnell und preiswert aufgebaut, aber nächtliche visuelle Anfragen nach einem Windows- oder Antivirenupdate wirkt nicht sehr professionell. Weiterhin lohnen sich Überlegungen zu Layout und Bildinhalten.

Das Thema interaktive Schaufenster in Fußgängerzonen bietet letztlich mehrere Perspektiven. Komplette Schaufenster mit Bildmedien und Sensorik auszustatten ist aus technischer Sicht weniger das Problem. Werden diese Technologien von den Menschen genutzt, kann sich der Betreiber über eine hohe Publikumsdichte freuen. Den entscheidenden Nachteil derartiger Installationen beschreibt aber der Umstand, dass sich mindestens eine Person in aller Öffentlichkeit zum Probanden machen muss um die Sensoren zu aktivieren.

Eine zweite Sicht der Dinge ist, dass es sich bei den meisten Menschen in einer Fußgängerzone in der Regel nicht um Exhibitionisten handelt. Wenn sich also eine Dame für Dessousmoden interessiert, dann ist ein derartiges interaktives Schaufenster sicherlich nicht der beste Ort um die Privatsphäre zu sichern.

Resultierend aus diesen Überlegungen, lohnt sich nüchtern betrachtet weder die finanzielle Investition in diese Technologien, noch ist langfristig die beabsichtigte persönliche Kundenbindung zu erreichen. Dennoch müsste mit einem Schaufenster doch mehr möglich sein als eine schlichte Warenpräsentation?

Die Lösung der beschriebenen Problematik dürfte in der Wahrung der Privatsphäre, sowie im dem persönlichen Nutzen liegen, den jeder einzelne Kunde aus derartigen Installationen ziehen kann. Und in den letzten Jahren haben sich auch weitere neue technische Möglichkeiten entwickelt, also höchste Zeit für einen neuen Versuch.

Schaufenster 2.0
Bei diesem Gedanken gehe ich davon aus, dass es nur noch wenige Monate benötigt bis alle Menschen ständig „Online“ sind, also über ihr Mobiltelefon ständig Zugang zum Internet haben. Das Mobiltelefon führen die Menschen meistens immer mit sich, prall gefüllt mit privaten Kontakten und Informationen. Was liegt also näher als die zukünftige Kommunikation mit Schaufenstern genau über diese Geräte zu realisieren? Die Frage des Endgerätes wäre somit bereits beantwortet, und jede erdenkliche Zielgruppe kann über das individuelle Handy-Display, und damit vor fremden Blicken geschützt, die individuellen Interessen verfolgen.

Weiterhin sollte das Angebot für den Kunden attraktiv sein und einen wirklichen Sinn ergeben. Andernfalls würde das Thema vermutlich als technische Spielerei in Erinnerung bleiben.

Persönlich fände ich es ja praktisch, wenn ich in einer beliebigen Innenstadt über mein Telefon direkten Zugriff auf die Speisekarten der Restaurants in der unmittelbaren Umgebung hätte. Für Menschen die sich gerne vor Reisebüros aufhalten, könnte man zu den üblichen Ort- und Preisinformationen, zusätzlich Videos vom Hotel und der Umgebung zur Verfügung stellen. Ein Download dieser Filme direkt auf das Handy könnte dazu beitragen, eventuell Mitreisende ebenfalls für das Vorhaben zu begeistern. Gleiches gilt für Immobilienangebote, die sich medial deutlich attraktiver darstellen lassen, als dies offensichtlich zurzeit üblich ist.

Meine damalige Lebensgefährtin fand die Idee ansprechend, im Bereich Fashion und Mode, die entsprechenden Kleidungstücke von der Rückseite zu betrachten. Hier über das Telefon noch einen oder mehrere Drehteller zu aktivieren wäre schnell umgesetzt. Zwischenzeitlich habe ich mir aber von Branchenkennern erläutern lassen, dass die Rückseite dieser Kleidungstücke meistens mit Nadeln und Klebestreifen bestückt sind, um eben diese für die Frontansicht zu perfektionieren.

Weiterhin könnte man noch den Aspekt der Energieeinsparung berücksichtigen. Bleiben wir kurz bei den mir so vertrauten Beleuchtungsgeschäften. Alles was dort im Schaufenster positioniert ist, leuchtet und erfordert Energie.

Die Lichtwirkung der Leuchte, die mich wirklich interessiert ist schwer auszumachen, weil alle Leuchten eingeschaltet sind. Stattdessen könnte man auch eine Inszenierung der Leuchten programmieren, bei der eine nach der anderen ihre Wirkung entfalten kann. Hinsichtlich der permanenten Energiekosten sollten hier schnell einmal Einsparungen von 70 bis 80 Prozent möglich sein. Und als Betrachter habe ich über mein Telefon die freie Auswahl welche Lampe oder Leuchte ich erstrahlen lasse.

Kurz, die gestalterischen Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Bleiben noch ein paar technische und praktische Details, die es zu lösen gilt. Die Angebote sollten aus Kundensicht  kostenlos verfügbar sein. Dies gilt speziell für die Kosten der Netzanbindung, insbesondere beim Download von Dateien und Videos. Die Kostenseite dürfte ebenfalls beim Anbieter solcher Angebote ein Aspekt sein. Somit sollten bis auf die Einrichtungskosten und die benötigte Technik keine Gebühren für zum Beispiel einen Internetzugang anfallen.

Daraus resultiert, dass man ein komplettes Sorgenfrei-Paket schnüren müsste, welches auch ohne Internetzugang überzeugend funktioniert. Die Gestaltung der jeweiligen Inhalte sollte auf den etablierten Wegen durch die betreuenden Agenturen gewährleistet sein.

Ein letzter, aber nicht zu verachtender Gedanke geht in Richtung der Endgeräte, also die jeweiligen Telefone und Betriebssysteme. Schließlich soll kein Kunde mit einem Smartphone die Erfahrung machen, dass ausgerechnet sein Telefon einige Inhalte nicht darstellen kann.

Mit Sicht auf die schwelenden Unstimmigkeiten zwischen Apple und Adobe haben wir bisher auf den Einsatz von Flash-Inhalten verzichtet. Der Hersteller Apple hat mit dem iPhone zwar den Telekommunikationsmarkt revolutioniert, das Gerät weigert sich aber beharrlich in Flash gestaltete Animationen zu präsentieren. Ein Aspekt der auch das iPad im Attraktivitätsgrad etwas sinken lässt.

Die Anzahl der Menschen, die stolze Besitzer eines iPhones sind, ist zudem rasant angewachsen. Kann man den Nutzern auch wirklich nicht übel nehmen, dass diese sich für ein Gerät entscheiden welches leicht zu bedienen ist und bis auf die Akkukapazität funktioniert. Ähnlich gelungen und hervorragend bedienbar ist das Palm Pre. Das Betriebssystem Palm OS bietet derzeit leider noch keine ideale Lösung zum Scannen von QR-Codes. Palm wurde jedoch gerade von HP käuflich erworben, so dass man hier auf weitere Entwicklungen hoffen kann. Persönlich nutze ich gerade das Nokia N97, was von der Benutzeroberfläche, dem Bedienkomfort und den begleitenden Softwaresammlungen eher etwas für Leute ist, die keine Freundin und keine sonstigen Interessen haben. Zu Gute halten muss man dem Gerät das QR-Codes und andere spannende Applikationen zahlreich verfügbar sind.

Realisierung von Schaufenster 2.0
Unser öffentlicher Testaufbau befindet sich in der kleinen Passage zur Kreissparkasse in der Brühler Fußgängerzone. Die Installation besteht aus drei verglasten Sichtflächen. Die mittlere und größte Fläche beinhaltet eine nachgebildete Stuckdecke die rundum mit DMX-steuerbaren RGB-LED´s (Einzelansteuerung) ausgestattet ist.

Für die Erstellung der Farbverläufe und Lichtszenen arbeitet im Inneren der Vitrine die e:cue Lighting Application Suite (Enterprise-Version), die in dieser Ausstattung erfreulicher Weise bereits einen Webserver beinhaltet. Die DMX-Ausgabe erfolgt über den zum System passenden e:cue butler. Um alle im Vorfeld gewünschten Funktionen zu realisieren benötigte unser Schaukasten noch etwas HTML, PNG´s, JPG´s, Java-Script, ein Kilogramm drahtlose Netzwerktechnik, sowie einen DNS-Server.

Die Seitenfläche links beinhaltet fünf 7“-TFT-Displays. Vier der Displays zeigen via SD-Karte Photos von den Kollegen und einigen Realisationen. Ein Display stellt ein Video der „Blauen Nacht Nürnberg“ dar.

Somit haben auch Menschen, die über kein Wi-Fi oder W-LAN-fähiges Endgerät verfügen  (Die ersten Beobachtungen aus dem Café gegenüber zeigen, dass dies doch mehr sind als ich dachte…) noch etwas Information und einen kleinen Eindruck von unseren Tätigkeiten.

Die rechte Seitenfläche verfügt über eine Bedienungsanleitung und einen aufgedruckten QR-Code, geschmückt mit zwei weiteren TFT-Displays. Nun müssen die Menschen nur noch vor dem Schaukasten verweilen, und der Beschreibung folgend das W-LAN mit dem Titel „schaufensterkino“ auswählen.

Im nächsten Schritt wird mit dem Handy der QR-Code gelesen, der den Betrachter dann unmittelbar auf www.schau_zwei_null.de führt. Interessenten die über keinen QR-Code-Reader verfügen können die entsprechende Domain auch direkt in ihren Webbrowser eingeben. Der integrierte DNS-Server sorgt dafür, dass man selbst mit Tipp- oder Schreibfehlern auf die gewünschte Zielseite gelangt.

Das Display des Handys, oder jedes beliebigen Endgerätes (das Photo zeigt einen gewöhnlichen iPod Touch) stellt dem Anwender nun neun verschiedene Lichtstimmungen zur freien Anwahl zur Verfügung.

Die ersten Beobachtungen zeigen, dass Menschen bis fünf Jahre allein schon durch die schönen Farben zu beeindrucken sind. Allerdings versagt in Verbindung mit Sonnencreme der iPod-Touch unbarmherzig seinen Dienst.

Die junge Generation zwischen ca. 10 und 16 Jahren begreift die Anwendung erschreckend schnell, und dies ohne einen müden Blick auf die mühsam erarbeitete Bedienungsanleitung zu riskieren. Menschen ab ca. 30 Jahren stehen in der Regel eher etwas ratlos vor dem Schaukasten. Manche riskierten sogar einen Versuch mit dem eigenen Telefon.

Irgendwie erwächst gerade die Erkenntnis in mir, dass es wohl doch noch ein paar Tage oder Monate dauern könnte, bis derartige Möglichkeiten sich in der breiten Öffentlichkeit etabliert haben…

Schon erstaunlich… Allein die Möglichkeiten die QR-Codes beinhalten sind schon ein Geschenk, zumal völlig frei von Lizenzgebühren. In Städten wie Tokyo gehören die Codes seit vielen Jahren zum Alltag. Es findet sich kaum ein Plakat oder eine Zeitschrift in der diese Grafiken fehlen.

Weitere Informationen bei www.lightlife.de

Vom QR-Code zum ADS-Label


Donnerstag, März 26, 2009

Als ich vor ein paar Jahren in Tokyo war, fielen mir die aus europäischer Sicht komischen Barcodes an den Schaufenstern und Plakaten ja schon auf. Nur musste ich erst bei Shinichi Sakamoto nachfragen, um zu erfahren was diese Codes für einen Sinn haben.

Die Japaner sind schon deutlich technikverliebter als wir Europäer oder gar wir Deutschen. Da mein Handy dort nicht funktionierte, gab mir Shinichi eines von seinen Telefonen. Und ich muß zugeben, dass ich immer noch von den dortigen Erfahrungen beeindruckt bin. Nicht nur das die Navigationssysteme in den Autos deutlich größere Displays haben als bei uns, diese Displays zeigen bei der Fahrt auch noch Tokyo in einer 3D-Ansicht. Auch die Handys können deutlich mehr als man das dies von unseren Netzbetreibern kennt. So spazierte ich interessiert durch Tokio bis mein Leihhandy plötzlich einen blinkenden Regenschirm im Display zeigte. Etwas verwundert über die Displayanzeige, welche ich umgehend ignorierte, wanderte ich weiter durch die Stadt. Erst als ich circa 10 Minuten später im strömenden Regen nach einer Position zum unterstellen suchte wurde mir die Bedeutung der Anzeige bewusst. Und dann fragt man sich wirklich warum unsere Mobiltelefone solche simplen Hilfsmittel nicht preisgeben möchten.

Besonders peinlich empfand ich die damalige Situation, weil ich ja eigentlich vor Ort war um den Japanischen Kollegen die neuste und innovativste Lichtsteuerung auf der Weltlichtausstellung in Yokohama zu präsentieren. Damit konnte ich ja auch noch Punkten, aber hinsichtlich Navigation und Mobiltelefone habe ich den Mund vor lauter Staunen wirklich nicht mehr schließen können. Selbst ein Navigationssystem im Handy war zu der Zeit schon Standard, wie ich lernen konnte als wir uns in der Innenstadt von Tokyo verlaufen hatten.

Und mit den QR-Codes ist das eine ähnliche Geschichte, auch wenn mir das erst Jahre später wieder in den Sinn gekommen ist. Aber besser spät als nie…  Das Problem ist wie folgt:

Technische Geräte zeigen meistens dann eine Fehlfunktion, wenn mit Sicherheit kein menschliches Wesen mehr erreichbar ist. Also an einem Freitag Abend oder am Wochenende.

Hier setzten wir mit dem ADS-Label (After Dinner Support-Label) nun einen Standard den vielleicht auch andere Hersteller oder Designer aufgreifen werden. Mit einem ADS-Label hat der Kunde über sein W-LAN-fähiges Mobiltelefon sofortigen Zugang zu spezifischen Gerätedaten wie Bedienungsanleitungen oder eventuelle Software-Updates. Der Anwender muss lediglich die Kamerafunktion seines Mobiltelefons aktivieren und über das ADS-Label halten. Das Mobiltelefon stellt dann die benötigte Verbindung eigenständig her und zeigt die ersehnten Informationen.

ADS, bzw ADSH ist ja eigentlich eine Art Krankheit, die aber den Kern der Aussage verdammt gut trifft. Wenn man dringend Unterstützung benötigt, aber niemand erreichbar ist, dann könnte man das schon als Aufmerksamkeitsdefizitstörung bezeichnen, oder?

Jedenfalls kostet der ganze Spaß nichts, macht aber mit dieser Anwendung richtig Sinn, und auch noch Freude wenn es funktioniert. Wie das ganze genau eingerichtet wird, erläutere ich bei Bedarf noch ausführlicher in einem seperaten Beitrag. Für weitere Vorhaben und Ideen in dieser Richtung habe ich schon einmal die www.ads-label.de und die www.ads-label.com reserviert (Derzeit noch beide umgeleitet auf diesen Weblog!). Vielleicht finden sich ein paar Kollegen die diese Technik auch anwenden möchten.