Als mich gestern, am frühen Abend ein gewitterähnliches Geräusch kurz irritierte und vom Studium einer Fachzeitschrift ablenkte, vermutete ich noch nichts Böses.
Auch als Minuten später die Sirenen erklangen, drängte sich eher der Gedanke auf das der FC gewonnen haben könnte, als die Idee das in Brühl etwas außergewöhnliches passiert sein könnte.
Erst als der Nachrichtenticker auf N24 von einer Hausexplosion in Brühl berichtete, wurde meine Aufmerksamkeit mehr als geweckt. Pingsdorfer Straße? Das ist doch direkt um die Ecke…
Abends, dann fußläufig auf dem Weg ins Oslo, kamen mir auf der Pingsdorfer Straße dann Mengen von Menschen entgegen. Ein ähnlicher Betrieb herrscht dort eigentlich nur wenn das Phantasialand ein mal im Jahr mit freiem Eintritt für alle Brühler Bürger lockt.
Kurz vor dem Oslo wurde ich beinah noch von einem WDR-Fahrzeug mit SAT-Schüssel auf dem Dach überfahren, dass ganze zusätzlich begleitet von dem Lärm eines Hubschraubers, der die ganze Zeit über der Unglücksstelle kreiste, wohl um entsprechende Aufnahmen zu machen.
Im Oslo gab es statt der leidigen und nervigen Fußballübertragungen (Die Herren haben sich Sky aufschwatzen lassen…) heute n-tv live und andere Nachrichtensender, genauer deren Newsticker oder Bildschirmtext.
Brühl im Zentrum der Medien, dass gab es seit dem Zugunglück am Bahnhof, bzw. seit dem Achterbahnbrand im Phantasialand schon lange nicht mehr. Aber diesmal eine unwirkliche Situation. Man steht dort mit seinem Kölsch, und freut sich gemeinsam über die Nachricht das die Retter ein paar hundert Meter die Straße rauf, einen der im Gebäude vermuteten Menschen beinah unverletzt retten konnten.
Dann nach Hause und schlafen, während die Brühler Feuerwehr die ganze Nacht versucht weitere Menschen lebend zu befreien. Nach dem Aufwachen am heutigen Sonntagmorgen direkt den Fernseher angeschaltet, um zu erfahren, dass die Situation unverändert ist. Auch der stets gut informierte Express konnte auf seiner Webseite nichts aktuelleres berichten. Da drängte sich mir schon der Gedanke auf, dass es mehr als Optimismus bedarf, um nach einer kühlen Nacht in dem Trümmerhaufen noch Überlebende zu finden.
Im Laufe des Tages dann eine negative Meldung nach der anderen, bis letztlich feststeht, dass keiner der noch drei Vermissten das Unglück überlebt hat. Von der am gestrigen Morgen noch fünfköpfigen Familie bleiben zwei Söhne zurück. Einer wurde gerettet, der andere war wohl gerade einkaufen.
Unter normalen Umständen würde man vermutlich von echtem Glück sprechen, wenn, während man gerade einkaufen ist das Haus explodiert. Unter den gegebenen Sachverhalt, fällt einem die Einschätzung mit dem Glück doch etwas schwer.
Das aufkommen an Fußgängern auf der Pingsdorfer Straße hat sich inzwischen normalisiert, und der Weihnachtsmarkt ist gut besucht, inklusive weihnachtlichem Bühnenprogramm. Beinah erschreckend wie normal alles weitergeht, wenn man nicht unmittelbar zu dem Kreise der Betroffen gehört.
Aber wie sollte das Leben in der Realität auch anders funktionieren? Es kann ja schlecht eine ganze Stadt, und deren Besucher, um Menschen trauern die man nicht einmal kannte. Wer kann es den Menschen verübeln? Aber irgendwie surreal…

