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Surrealer 3. Advent in Brühl


Sonntag, Dezember 12, 2010

Als mich gestern, am frühen Abend ein gewitterähnliches Geräusch kurz irritierte und vom Studium einer Fachzeitschrift ablenkte, vermutete ich noch nichts Böses.

Auch als  Minuten später die Sirenen erklangen, drängte sich eher der Gedanke auf das der FC gewonnen haben könnte, als die Idee das in Brühl etwas außergewöhnliches passiert sein könnte.

Erst als der Nachrichtenticker auf N24 von einer Hausexplosion in Brühl berichtete, wurde meine Aufmerksamkeit mehr als geweckt. Pingsdorfer Straße? Das ist doch direkt um die Ecke…

Abends, dann fußläufig auf dem Weg ins Oslo, kamen mir auf der Pingsdorfer Straße dann Mengen von Menschen entgegen. Ein ähnlicher Betrieb herrscht dort eigentlich nur wenn das Phantasialand ein mal im Jahr mit freiem Eintritt für alle Brühler Bürger lockt.

Kurz vor dem Oslo wurde ich beinah noch von einem WDR-Fahrzeug mit SAT-Schüssel auf dem Dach  überfahren, dass ganze zusätzlich begleitet von dem Lärm eines Hubschraubers, der die ganze Zeit über der Unglücksstelle kreiste, wohl um entsprechende Aufnahmen zu machen.

Im Oslo gab es statt der leidigen und nervigen Fußballübertragungen (Die Herren haben sich Sky aufschwatzen lassen…) heute n-tv live und andere Nachrichtensender, genauer deren Newsticker oder Bildschirmtext.

Brühl im Zentrum der Medien, dass gab es seit dem Zugunglück am Bahnhof, bzw. seit dem Achterbahnbrand im Phantasialand schon lange nicht mehr. Aber diesmal eine unwirkliche Situation. Man steht dort mit seinem Kölsch, und freut sich gemeinsam über die Nachricht das die Retter ein paar hundert Meter die Straße rauf, einen der im Gebäude vermuteten Menschen beinah unverletzt retten konnten.

Dann nach Hause und schlafen, während die Brühler Feuerwehr die ganze Nacht versucht weitere Menschen lebend zu befreien.  Nach dem Aufwachen am heutigen Sonntagmorgen direkt den Fernseher angeschaltet, um zu erfahren, dass die Situation unverändert ist.  Auch der stets gut informierte Express konnte auf seiner Webseite nichts aktuelleres berichten. Da drängte sich mir schon der Gedanke auf, dass es mehr als Optimismus bedarf, um nach einer kühlen Nacht in dem Trümmerhaufen noch Überlebende zu finden.

Im Laufe des Tages dann eine negative Meldung nach der anderen, bis letztlich feststeht, dass keiner der noch drei Vermissten das Unglück überlebt hat. Von der am gestrigen Morgen noch fünfköpfigen Familie bleiben zwei Söhne zurück. Einer wurde gerettet, der andere war wohl gerade einkaufen.

Unter normalen Umständen würde man vermutlich von echtem Glück sprechen, wenn, während man gerade einkaufen ist das Haus explodiert. Unter den gegebenen Sachverhalt, fällt einem die Einschätzung mit dem Glück doch etwas schwer.

Das aufkommen an Fußgängern auf der Pingsdorfer Straße hat sich inzwischen normalisiert, und der Weihnachtsmarkt ist gut besucht, inklusive weihnachtlichem Bühnenprogramm. Beinah erschreckend wie normal alles weitergeht, wenn man nicht unmittelbar zu dem Kreise der Betroffen gehört.

Aber wie sollte das Leben in der  Realität auch anders funktionieren? Es kann ja schlecht eine ganze Stadt, und deren Besucher, um Menschen trauern die man nicht einmal kannte. Wer kann es den Menschen verübeln? Aber irgendwie surreal…

Herr Bürgermeister Kreuzberg… Wie geht es unserem Parkleitsystem?


Dienstag, Juli 6, 2010

Freundlicher Herr Kreuzberg,

vermutlich müssen Sie Ihr Fahrzeug selten selbst lenken, geschweige denn parken. Sonst wüssten Sie, dass dieses Vorhaben im beschaulichen Brühl nahezu unmöglich ist.

Die recht aktuellen Photos verdeutlichen, dass die Anzeige wieder einmal 44 nicht existente Parkplätze anzeigt. Real müssen die Menschen dann auf Flächen vorlieb nehmen, die ganz dem Rettungswegkonzept der Stadt Brühl entsprechend, nicht zum Parken von Fahrzeugen vorgesehen sind.

Das von Ihnen initiierte, und für sicherlich nicht wenige Euros erworbene Parkleitsystem hat noch nie funktioniert.

Als Reaktion auf die Pressemeldungen vor knapp einem Jahr, welche ebenfalls die falschen Anzeigen und die mangelnde Funktion des kompletten Parkleitsystems kritisieren, gab die  Stadt Brühl ein erstaunliches Statement.

Sinngemäß äußerte man, dass man um die existenten Mängel wisse und für Besserung sorgen werde. Zusätzlich überprüft ein städtischer Mitarbeiter zu jeweils zu Wochenbeginn die Anzahl der parkenden PKW´s, zum Beispiel auf dem Belvedere-Parkplatz, und passt diesen dann an die veröffentlichten Werte auf den Signalanzeigen an.

Bitte Herr Kreuzberg…  Auch in Brühl ist das Jahr 2010. Und hier zählt jemand Autos auf einem Parkplatz? Dank Ihrer innovativen Ideen für die Entwicklung der Stadt Brühl haben wir ja jetzt auch die Giesler-Galerie, deren Geschäfte entgegen der Meinung Ihrer Kritiker, wirklich keine Gefährdung des Geschäftsbetriebes der Ladenlokale der Innenstadt darstellen.

Ganz im Gegenteil. In der Innenstadt halten sich sogar die € 1-Läden, was in der Galerie nicht gelang. Das die in Brühl ansässigen Autohäuser ihre Fahrzeuge in den leer stehenden Ladenlokalen ausstellen dürfen, ist sicherlich wesentlicher Bestandteil Ihrer Strategie zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Brühl. Ähnlich wie das erfolgreiche Gastronomiekonzept im ersten Obergeschoss der Galerie.

Wer muss eigentlich die komplizierte Aufgabe der Fahrzeugzählung bewältigen? Machen das die freundlichen Politessen, die auch dafür sorgen das die Kölnstraße jederzeit entspannt befahrbar ist? Ich meine für den Fall, das gerade niemand im absoluten Halteverbot parkt um eine der zahlreichen Apotheken oder Bäckereien aufzusuchen?

Bei der Gelegenheit…  Wie kommt man eigentlich zu einer solch anspruchsvollen Tätigkeit im städtischen Straßenverkehrswesen. Ich habe noch nie eine Dame, gleich welchen Alters getroffen, die schilderte das sie gerne Politesse werden möchte. Ist das ein richtiger Beruf, also so mit richtiger Ausbildung? Bestimmt, schließlich muss man eine Autonummer entschlüsseln können, und diese auch noch in ein technisches Gerät eingeben.

Weltpolitische Weitsicht ist vermutlich nicht Einstellungsvoraussetzung, wie ich ja in der Nacht vom 11. auf den 12 September 2001 am eigenen Leibe erfahren konnte. Während ich die ganze Nacht vor dem Fernseher verbrachte, weil man zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht wusste ob nun der dritte Weltkrieg beginnen würde, verschlief ich den 12.09. ein wenig.

Und man glaubt es kaum…  Schon um 9:30 Uhr konnte ich auf einen völlig freien Belvedere-Parkplatz blicken. Ihre aufmerksamen Mitarbeiter hatten mein Fahrzeug, trotz der Firmenbeschriftung mit Rufnummer, bereits abschleppen lassen.

Schließlich sollte die Kirmes aufgebaut werden. Kaum ein Schausteller war anwesend, und die vor Ort waren sich auch nicht sicher ob man den überhaupt etwas aufbauen sollte, aber all die Ereignisse konnten Ihre Mitarbeiter nicht irritieren.

Das Bratwerk in Brühl


Montag, Februar 15, 2010

Das Leben ist zeitweise sehr gemein. Genau genommen heute und die letzten Tage. Die Menschheit außerhalb von Köln wird nicht nachvollziehen können, wie man sich fühlt wenn man an Karneval aus beruflichen Gründen kein Kölsch trinken kann.

Genau genommen muss man in diesen Tagen die Öffentlichkeit meiden, und sich im Büro einschließen um nicht unangenehm aufzufallen, so wie ich heute und die letzten Tage die Sachlage auch gemeistert habe.

Ziemlich hungrig auf dem Rückweg in die heimische Provinz erblickte ich dann aber kurz hinter dem Eisenwerk ein mir bekanntes Logo. Ob ich mich versehen habe?

Wenden, und zur Sicherheit noch einmal schauen. Nein, da steht es wirklich – Das Bratwerk!

Wenn das keine Belohnung für die Enthaltsamkeit ist. Wie im richtigen Leben. Wenn ich es nicht zum Bratwerk schaffe, dann kommt das Bratwerk halt zu mir. Das Jungendkulturhaus CULTRA verweigerte sich nicht dem Karnevalssonntag, der Tag an dem in Brühl immer der “D`r Zoch kütt!”, und feierte diesen Tag mit reichlich Kaltgetränken.

Also raus aus dem Auto und ran an die Currywurst. Von Mario war nichts zu sehen, aber die Currywurst eine echte Belohnung. Noch nicht ganz aufgesessen, kam Dominic um die Ecke, mit der Frage wo genau wir hier denn wären? Mario saß  im Taxi, konnte dem Fahrer aber in Ermangelung des Straßennamens nicht genau erklären, was das finale Ziel der Fahrt sein sollte…

Jetzt musste ich aber echt aufpassen, dass dieser Abend nicht doch noch  spaßig werden würde. Also besser schnell weg… Zwei Meisterköche in einer Bratwurstbude – am äußersten Rande von  Brühl. Das Leben ist doch voller Überraschungen.

Da gönne ich mir zum Abschluss des Tages jetzt doch noch ein Glas Rotwein, um dann bei einer dieser Kronzucker-Dokumentationen auf N24 sanft zu entschlafen. Schließlich geht dieses Martyrium noch bis Mittwoch. Erst nach Aschermittwoch kehrt rund um Köln wieder so etwas wie Normalität ein, oder das was man in und um Köln dafür hält.