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Brühler Heilpraktikerin mit sozialem Therapiebedarf


Freitag, September 11, 2015

Das richtige Leben bringt zeitweise Geschichten hervor, auf die nicht einmal einem Drehbuchautor für Hartz IV-TV einfallen würde. An sich ein harmloses Ereignis, welches sich im beschaulichen Brühl, direkt vor der Giesler-Galerie abspielte.

Zwei Damen, eine Bekannte von mir, sowie eine Heilpraktikerin stoßen mit dem Fahrrad zusammen. Beide fallen hin und verletzen sich leicht. Es gibt Zeugen, und zwei freundliche Herren von der Brühler Stadtreinigung helfen den beiden, stellen deren Fahrräder wieder auf.

Zur Sicherheit und um ernsthafte Verletzungen auszuschließen suchen beide „Unfallbeteiligte“ das Brühler Marienhospital auf. Unter normalen Umständen wäre dieses kleine Lebensereignis an dieser Stelle beendet.

Doch es gibt Menschen, die nicht so richtig im realen Leben stehen, oder zumindest lebensfremde Vorstellungen vertreten die einem außenstehenden Betrachter das Staunen ins Gesicht zaubern. So wollte sich die beteiligte Heilpraktikerin nicht im Marienhospital untersuchen lassen. Sie „heile sich selbst, sie sei Heilpraktikerin.“

Den Selbstheilungskräften der Heilpraktikerin waren wohl Grenzen gesetzt, so dass meine Bekannte gute zehn Tage später eine Rechnung über schlanke € 4.284,60 in den Händen hielt.

Rechnung_Heilpraktikerin

Zum Glück bin ich frei von Vorurteilen. Sonst könnte man schnell zu dem Urteil gelangen, dass Heilpraktiker an sich schon eine fragwürdige Tätigkeit ist.

Sicherlich gibt es auch in Brühl hervorragende und sinnvoll praktizierende Heilpraktiker, die Hürden für dieses Berufsbild sind jedoch nicht sehr hoch.

Im simpelsten Fall reicht es auch, ein paar Mal Mutter geworden zu sein und sich die berufliche Qualifikation via Fernkursus zu erwerben. Zum Beispiel an der ILS, ohne medizinische Vorkenntnisse in schlanken 20 Monaten.

Und schon kann es losgehen mit der eigenen Praxis…

Natürlich tat sich meine Bekannte schwer damit, mal eben den Rechnungsbetrag inklusive 3.000,- Schmerzensgeld (laut Rechtsprechung, wie die Heilpraktikerin in Ihrer Rechnung kompetent ausweist…) zu überweisen.

In dieser verfahrenen Situation findet sich selbst im beschaulichen Brühl eine Kanzlei mit einem Anwalt, der für die Heilpraktikerin das Mandat übernimmt. Der Vorteil des Anwaltsberufes ist, dass man immer bezahlt wird, egal wie ein Prozess ausgeht. Selbst wenn die Forderungen dreist und schwachsinnig sind. Jedenfalls beschäftigt sich nun das Brühler Amtsgericht, und inzwischen zwei Anwaltskanzleien mit dieser Lapalie.

Der Klageschrift ist zu entnehmen, dass die verunglückte Heilpraktikerin welche sich am linken Ellenbogen und am linken Knie prellte, eine Halskrause verordnet bekam (???). Ebenfalls von einem Heilpraktiker, wo dann zusätzlich noch die namentliche Ähnlichkeit ins Auge fällt.

Lediglich die „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“ der Heilpraktikerin, welche sich auch über das Wochenende erstreckte, stammt von einem richtigen Arzt.

Zur Einhaltung der Hygieneverordnung in der Praxis mussten nun zusätzlich Reinigungsfirmen engagiert werden, was auch etwas verwundert wenn die Praxis doch geschlossen ist.

Alles Gerichtsfest belegt mit teilweise handgeschriebenen Rechnungen, bis auf eine alle ohne Mehrwertsteuerausweis. Da hat dann auch das Brühler Finanzamt sicherlich noch etwas Spaß.

Auf Seite fünf der Klageschrift führt der Anwalt noch aus:

„Erschwerend kommt hinzu, dass die rechte Gesichtshälfte der Klägerin seit dem Unfall geschwollen ist und sie unter dem „schiefen Gesicht“ leidet.

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass sich in dem Gesicht, über drei Monate nach dem Zusammenstoß eher die persönliche Lebensunzufriedenheit verfestigt hat.

schiefes_gesicht

Weiterhin scheint die Heilpraktikerin auf eine lebenslange Rente zu hoffen, wenn man den Schriftsatz der Kanzlei so wie ich interpretiert:

„Der behandelnde Arzt konnte bisher keine Stellungnahme dazu geben, ob und wann die Beschwerden der Klägerin wieder abklingen werden. Es bleibt zu befürchten, dass sie dauerhafte Einschränkungen oder Entstellungen von dem Unfall davontragen wird.“

Da bin ich gespannt wie der Prozess endet. Hoffen wir das Beste für meine Bekannte, sowie ein lebensnahes Gericht. Aber wie wir alle Wissen gibt es vor Gericht nur ein Urteil, kein Recht.

Was mich betrifft, werde ich mich mit dem Radfahren in Brühl zukünftig etwas zurückhalten. Das ist doch deutlich riskannter als ich bisher annahm…

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