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Wie sich bei der Generali-Versicherung das „Nichts“ für monatlich 171,28 Euro versichern lässt


Dienstag, November 11, 2014

Es gibt Dinge, da sollte der normale Verstand ausreichen, um Sachverhalte klären zu können. Gerade bei so simplen Geschichten wie einer KFZ-Versicherung. Doch hier gibt es offensichtlich Defizite im Hause der Generali-Versicherung, oder man ist einfach nur dreist.

Kommen wir zum Sachverhalt: Ein in Wien zugelassener Firmenwagen soll nach Köln überführt und dort angemeldet werden. Da man als Deutscher mit den österreichischen Regeln nicht so vertraut ist, sucht man also kurzerhand eine Filiale auf um sich nach dem genauen Procedere zu erkundigen.

Das äußere Erscheinungsbild der Generali-Niederlassung auf der Wiener Praterstraße wirkt rein optisch wenig einladend.

 

Generali_Wien

Die Fassadengestaltung im Stil eines 1-Euro-Ladens wurde zusätzlich an der Eingangstür mit einem Schild geschmückt, dass insbesondere ausländische Touristen darauf hinweist, dass es hier weder einen Geldautomat gibt und der Versuch die Währung zu wechseln ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist.

Nun gut, aber deswegen suchte ich diesen Palast des Willkommens ja nicht auf und öffnete die Eingangstür. Im Inneren erwartet dann den Besucher die nächste visuelle Blockade. Eine recht hohe „Empfangstheke“ hinter der sich in der Regel drei bis vier Damen verbergen, zwei davon mit Trennungsfrisur…

Also die sympathische ausgewählt und mein Anliegen vorgetragen. Meine Hoffnung wurde erfüllt und mir (fast) alle nötigen Vorgänge im Detail erläutert. Ich verlies die Niederlassung mit dem Gedanken, dass dies ja mal wirklich einfacher war als befürchtet.

Der Kaufbetrag wurde am 27.05.14 an die BMW Austria Leasing überwiesen und die Generali in Salzburg bestätigte schriftlich, dass der Versicherungsvertrag zum 28.05.14 aufgehoben ist. Der Aufhebungsgrund ist: Risikowegfall.

Schreiben-bearbeitet

Einzig erstaunliches Detail war, dass die Generali Salzburg zeitgleich der „Unabhängige Vertrieb für BMW Financial Services“ ist. Vermutlich benötigt man in Österreich als Versicherer noch einen Nebenjob um über die Runden zu kommen…

Obwohl wir alle im gemeinsamen Haus Europa beheimatet sind, war die BMW Austria Leasing nicht in der Lage die Rechnung für das Fahrzeug nach Deutschland zu fakturieren. Unsere Niederlassung Wien musste den Wagen erst käuflich erwerben, um diesen dann am gleichen Tag an die LightLife-Zentrale in Köln zu verkaufen.

Und damit solch eine Transaktion auch nicht zu einfach wird, muss ein Deutscher BMW dann erst einmal zum Deutschen TÜV. Zu diesem Zeitpunkt hatte der ursprüngliche Neuwagen ja immerhin schon ganze 17 Monate auf dem Buckel, also höchste Zeit für eine TÜV-Abnahme…

Am 05.06.14 erhielt der BMW vom Kölner Straßenverkehrsamt tatsächlich seine verdienten Kölner Kennzeichen. Ich konnte unser Glück kaum fassen…

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Dieser Zustand der Freude hielt dank der Generali auch nicht lange an. Diese sah nämlich keinen Grund auf die monatliche Abbuchung der KFZ-Versicherung zu verzichten.

Ganze vier Monate lang, oder in Zahlen ausgedrückt, für bisher exakt 685,12 Euro versicherte die Generali-Versicherung einen PKW, der bereits in Deutschland versichert ist. Respekt!

Um den Vorgang zu klären suchte ich also wieder das Kundenzentrum auf der Praterstraße auf. Diesmal geriet ich dann an eine Mitarbeiterin, die mir mit einem Scheidungslächeln erläuterte, dass ich ja die „Nummerntafeln“ noch nicht zurückgeben hätte, dies aber offensichtlich ein Versehen sei und sie eine entsprechende Erstattung in die Wege leiten würde.

Für alle Deutschen: Diese Nummernschilder, welche wir nach der Abmeldung in den Müll werfen oder mit denen wir bestenfalls eine Erinnerungswand dekorieren, sind in Österreich eine Art Staatseigentum. Zum Glück lagen die Dinger noch im Kölner Büro und erreichten mich am Folgetag via DPD, sodass ich diese österreichischen Heiligtümer würdevoll der Generali-Versicherung überreichen konnte.

Am 25.09. erstattete die Generali uns dann auch prompt ganze 27,36 €. Ich ahnte es ja schon, Kurzhaarfrisuren bedeuten selten Gutes… Um den Differenzbetrag in Höhe von 657,76 € noch erstattet zu bekommen, wandten wir uns direkt an die Generali-Salzburg, wo die Fäden der Generali und der BMW Leasing wohl eine gemeinsame Basis haben.

Die Resonanz aus Salzburg fiel dann leider ziemlich dürftig aus:

Sehr geehrter Herr Quodt!
In dem Schreiben vom 05.06.2014 bestätigen wir der BMW Austria Leasing, dass die Vinkulierung aufgehoben wurde, dies hat nichts mit Ihrem Versicherungsvertrag zu tun. Ich habe bei uns im Archiv auch kein Kündigungsschreiben erhalten, somit wurde der Vertrag mit Abmeldedatum storniert.

Leider kann ich daher nichts für Sie tun.

Frau L.
Unabhängiger Vertrieb für BMW Financial Services

 

Diese kurze Antwort stimmte mich wenig positiv, womit ich erneut nachfragte ob die Generali lediglich zwei Nummerntafeln ohne Fahrzeug für monatlich 171,28 € versichern würde. Jetzt bemühte Frau L. gar eine Zulassungsbeauftragte (was es in Österreich für spannende Berufe gibt…) und ihren Vorgesetzten, die aber beide zu dem Ergebnis kamen, dass der Generali die gezahlten Beiträge zustehen:

Sehr geehrter Herr Quodt!
Nach nochmaliger Rücksprache mit unserer Zulassungsbeauftragten und auch meinem Vorgesetzten, hat dies dennoch seine Richtigkeit, da Sie Ihr Fahrzeug in Österreich erst am 22.09.2014 mit Rückgabe der Kennzeichen abgemeldet haben.
Da Sie die Kennzeichen bis zu diesem Zeitpunkt hätten nutzen können und wir in Österreich auch die Motorsteuer dafür abführen müssen, gebührt uns die Prämie.

Leider habe ich keine bessere Nachricht für Sie.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau L.
Unabhängiger Vertrieb für BMW Financial Services

 

Liebe Generali-Versicherung, dass müsst ihr mir aber jetzt wirklich mal erklären. Wie hätte ich die „Nummerntafeln“ denn nutzen sollen? Kann man in Österreich irgendein Fahrzeug mit „übrigen“ Kennzeichen ausstatten und dann damit den Wiener Ring unsicher machen?

In Deutschland ginge das nicht bzw. wäre sicherlich eine Straftat. Und ich denke, dass die österreichischen Behörden zu Recht in diesem Punkt da ähnlich wenig tolerant sind. Was soll also diese blödsinnige Argumentation? Und wie würdet ihr reagieren, wenn es sich um euer privates Geld handeln würde, welches da gerade unberechtigt von euch beansprucht wird?

Aber gut, vermutlich habt ihr bei der Generali einfach noch nicht begriffen, dass wir zunehmend in einer Dienstleistungsgesellschaft leben. Man muss sich um seine Kunden bemühen, so dass diese gerne Kunde sind. Verpasst man diese Erkenntnis hat man schnell den Beliebtheitsgrad eines „Bankberaters“ erreicht. Aber das werdet ihr auch bald verstehen.

Was mich betrifft, finde ich euer Handeln so dermaßen grauselig, dass ich zunächst recherchieren lasse ob wir in Berlin, Köln oder Wien noch eines eurer Versicherungsprodukte in Anspruch nehmen. Sollte dem so sein, verspreche ich euch, dass wir diese kündigen und die nächsten 400 Jahre nicht erneut als Kunde eures Hauses in Erscheinung treten werden.

Nächste Woche in Wien werde ich zunächst einmal den Konsumentenschutz aufsuchen und nachhören zu welchem Ergebnis man dort in der Sache gelangt. Beim letzten Mal brachte das gemeinsame Engagement nicht nur eine Erstattung sondern zusätzlich noch einen publikumswirksamen Fernsehauftritt. Da ging es zwar um Handy-Abzocke, aber Euer Vorgehen scheint mir gerade nicht seriöser…

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