Wer hätte es gedacht, dass es mich mal in die tiefste Eifel treiben würde. Am letzten Wochenende gab es außerordentlich viel Wärme und Sonnenschein, also ein Anlass den Sonntag mal nicht im Büro zu verbringen. Und am Abend kam statt Tatort auch nur Polizeiruf 110, also nicht einmal eine visuelle Belohnung für geleistetes Engagement am Tage stand an.
Dieses von Notärzten auch gern als “Spenderwetter” titulierte Wetterphänomen brachte mich dann dazu das inzwischen zum Suchspiel ausgeartete Thema “Schmetterlingsbahn” erneut in Angriff zu nehmen. Nach einem Telefonat mit Jürgen Eisbusch brachte ich in Erfahrung, dass Sohn Günther Eisbusch mit der Schmetterlingsbahn diese Woche in Adenau gastierten würde.
Nach wenigen Kilometern Autobahn und vielen gefahren und gefühlten Kilometern Landstraße erreichte ich dann endlich Adenau, ein Ort in der Eifel, der sich als Stadt bezeichnet und gerade sein Heimatfest feierte.
Zunächst reagierte ich etwas resigniert. Mit dem Anblick von Ausstellern die voller Stolz Geräte präsentierten, die man vermutlich für landwirtschaftliche oder gartenbautechnische Tätigkeiten benötigt, und Verkaufsständen die Zubehör für das Aufmotzen von Kraftfahrzeugen anboten. Aber weit und breit kein Schausteller.
Also weiter, vorbei an einigen normalen aber geöffneten Geschäften, vorbei an ganz vielen Buden die bei der Nahrungsaufnahme behilflich sein wollten. Dann der Anblick der Hauptbühne, auf der sich gerade eine volkstümliche Gruppe mit vielen Blechbläsern versammelt hatte. Und hinter der Bühne, ich konnte mein Glück kaum fassen, dort stand sie die ersehnte Schmetterlingsbahn. In voller Pracht, genau so wie ich Sie in Erinnerung hatte, nur nun mit einem stolzen Alter von 61 Jahren.
Ohne langes zögern begann ich damit meinen inzwischen do0ch sichtbaren Raucherbauch zu bekämpfen. Natürlich könnte ich wie viele Herren in meinem Alter morgens durch den Wald laufen, aber so alt fühle ich mich wirklich noch nicht, und außerdem finde ich “Joggen” recht langweilig. Also mal prüfen, ob man wie früher, auch bei voller Fahrt des Karussells noch freihändig stehen kann.
Und man glaubt es kaum, trotz einer Abstinenz von mindestens 15 Jahren, bleiben die wesentlichen Bewegungen die ein Schausteller benötigt doch in Erinnerung, so ähnlich wie das fahren mit einem Fahrrad – Man verlernt es nicht…
Aber die Zeiten haben sich geändert, so dass nach ca. zwei Stunden bereits die ersten Beschwerden eingingen. Ein Mann meines Alters, nur zusätzlich mit einer verdammt schlechten Unterarmtätowierung ausgerüstet, erklärte mir das mein Handeln ja wohl völlig Verantwortungslos sei. Wenn die Kinder das sehen was ich da mache, könnten diese ja auf die Idee kommen mich zu imitieren, und das wäre ja wohl mehr als gefährlich. Da hatte er nicht unrecht, immerhin konnte ich mit meinen Darbietungen bis dahin wenigstens zwei ca. 10jährige Jungen begeistern.
Und ich habe die Bedenken des Herrn auch wirklich nicht verstanden, zumindest bis Günther mich an die Kasse rief und mir erklärte, das sich auch bereits die ersten Mütter beschwert haben, und dass ich nun wohl besser erst einmal was Essen gehen würde. Gemäß seiner Erfahrung würde es nicht mehr lange dauern, bis jemand das Ordnungsamt bemühen würde.
Und ich begann zu begreifen, dass sich die Zeiten wirklich geändert haben, zumindest in Adenau. Aber so ganz glauben kann ich das noch nicht. Gleich nächste Woche werde ich mich noch einmal in Bonn-Duisdorf versuchen. Mal sehen ob diese Ereignisse mit dem offensichtlichen Mangel an Zivilisation in Zusammenhang standen, oder ob in den letzten Jahren die Weicheier oder “Energiesparlampen-Benutzer” überhand genommen haben.
Trotz der Gefahr, auch noch den letzten Rest der mir zugestanden Seriosität zu verspielen, werde ich die Aktivitäten der nächsten Woche mit der freundlichen Hilfe von Florian Kick digital dokumentieren. Die Aufnahmen werden dann sicherlich auch einmal im LightLife-Museum zu betrachten sein.
Fortsetzung folgt…
