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Hinweise für meine Beerdigung


Sonntag, August 31, 2008

Zunächst Entwarnung. Auch wenn die Überschrift vielleicht Böses vermuten lässt. Alle Leser dieser Zeilen können sicher sein, dass ich nicht im Geringsten mit dem Gedanken spiele den irdischen Freunden zu entsagen. Ganz im Gegenteil, ich bin mächtig zufrieden mit dem Leben welches ich führe, und würde genau dieses wenn die Natur es zulassen würde, noch lockere drei- bis vierhundert Jahre fortsetzen.

Der Anlass dieser Zeilen ist meine nun wiederholte Teilnahme an einer Trauerfeier für eine Person mit der ich in einer persönlichen Beziehung stand. Plötzliche Todesfälle von jungen Menschen durch einen Verkehrsunfall, Mord, oder auch einen unentdeckten Herzfehler bringen neben der empfundenen Traurigkeit weitere Gedanken zu Tage. Nüchtern betrachtet kann der ganze Spaß auf Erden recht schnell zu Ende sein, ohne das man besonderen Einfluss ausüben könnte. So manche Dinge über die man sich im Tagesverlauf so ärgert oder aufregt erscheinen unter dem Einfluss solcher Ereignisse ganz schön nichtig. Da kommt man doch ins Nachdenken und überlegt sich was denn so die wahren Werte sind, oder wie gar die eigene Beerdigung aussehen würde.

Und da gibt es nun wirklich einige Punkte die ich bei meiner Beerdigung gerne anders gelöst sehen würde. Nun bietet unser Zeitalter der digitalen Kommunikation zahlreiche Möglichkeiten den Hinterbliebenen eine Nachricht zu hinterlassen. Eine davon ist dieser Weblog, dessen Inhalte wohl solange erhalten bleiben bis ich einzelne Artikel lösche, oder im ungünstigsten Falle ein NEMP die Datenbasis vernichtet. Aber in diesem Falle wären diese Zeilen ohnehin überflüssig.
So wie ich das in der Vergangenheit beobachtet habe, ist die Familie mit dem eigentlichen Ereignis des plötzlichen Tode eines Mitgliedes aus dem Kreise der Ihren mehr als belastet. Dennoch stehen für diese Hinterbliebenen eine Reihe von Aufgaben und Entscheidungen an, über die man sich zu Lebzeiten keine Gedanken gemacht hat. Und folglich werden viele Dinge so in die Wege geleitet, wie man es den Angehörigen anrät oder wie das „heute so üblich ist“. Und mit dem „heute so üblich“ habe ich wirklich ein Problem.
Wie ich mich einschätze, würde ich vor lauter Ärger sofort auferstehen, wenn man mich im Wege eine solchen Zeremonie entsorgen würde. Sollte mich also ein Schicksal ereilen, welches meine geplante Lebensführung spontan beendet, würde ich mich mächtig freuen wenn die nachfolgenden Anregungen berücksichtigt werden könnten. Und lasst Euch gesagt sein: Sollte so etwas tatsächlich eintreten, dann hat das schon seinen Grund. Ich glaube wirklich daran das alles seinen Grund hat, auch wenn dieser in manchen Fällen für mich nicht erklärbar ist. Aber in meinem Leben gab es viele Situationen und Ereignisse in denen ich mehr als das Gefühl hatte, dass da etwas sein muss was mich auf eine nicht verständliche Art und Weise lenkt, bremst und auch beschützt. Ich nenne es einfach mal Gott, obwohl ich sehr selten außerhalb touristischer Erkundungen eine Kirche aufsuche, aber dennoch einen stabilen Glauben praktiziere.

Aber jetzt zu den eigentlichen Aussagen: Als Bestatter hätte ich gerne die Firma Wilhelm Sechtem. Piet ist die Person, der in diesem Falle zielsicher weis, was wie zu erledigen ist. Und die kleine Kapelle am Brühler Südfriedhof hat er bei der letzten von mir besuchten Beerdigung auch mehr als liebevoll geschmückt und dekoriert. Auch das große Photo des Verstorbenen fand ich sehr attraktiv, es zeigte trotz des traurigen Anlasses noch einmal sehr ausdrucksstark die Lebensfreude und das Selbstbewusstsein des Menschen den wir dann später an seiner letzten irdischen Ruhestätte verabschiedet haben. Weiterhin wünsche ich mir auch so ein richtiges Grab, ich vermute nämlich das ich dort oben noch einige Aufgaben zu bewältigen habe, und diese Dienste möchte ich nicht als Staubwölkchen erledigen müssen. Und Ihr wisst ja wie stur ich bin. Vermutlich werde ich dort oben erst mal schauen wo es für den Alltag ein gutes Steak in Kombination mit einem schönen Glas Rioja wie bei Gregor gibt. Und für besondere Freuden sollen natürlich Menüs wie diese bei Sicker`s oder bei Mario erhältlich sind nicht fehlen. Und als Wölkchen stelle ich mir die Realisierung dieser Vorstellungen wirklich etwas schwierig vor. Zumal ich eh nach alternativen Großmeistern der Kochkunst Ausschau halten muss, da die genannten Herren Euch noch alle verwöhnen. Und wo wir gerade beim praktischen Teil sind… Seid doch so nett und gebt mir mein Werkzeug, mein Laptop und meinen iPod mit. Es ist nichts ärgerlicher, als schlecht ausgerüstet auf einer neuen Baustelle zu stehen. Und das ich meine Freizeit ohne die Klänge von Simply Red verbringen müsste, ist auch eine Vorstellung an die ich mich nicht gewöhnen möchte. Was die Musik während meiner Trauerfeier betrifft, so unterlasst es bitte so Titel wie „Time To Say Goodbye“ zu spielen. Andrea Bocelli und Sarah Brightman sind als Interpreten auch nicht meine Favoriten. Spielt lieber die Musik die ich zum Zeitpunkt meiner Abreise gerne gehört habe. Also etwas von Simply Red, KLEE oder BAP. Aus dem klassischen Bereich fände ich etwas von Giacomo Puccini sehr angenehm, gesungen von José Cura. José ist nicht nur ein aüßerst sympatischer Tenor wie auch dieses Video erneut zum Ausdruck bringt, sondern auch die Person die mir die Qualität klassischer Musik nahe gebracht hat. Und so ein Titel wie “Nessun dorma” hat natürlich auch etwas heldenhaftes, was mir sehr schmeicheln würde (Der Dirigent auf dem diesem Video ist übrigens János Ács, mit dem wir in Leipzig mächtig “Bach-Torte” konsumiert haben). Aber hört Euch einfach mal durch die CD´s und sucht etwas stimmungsvolles aus.
Auf dem Wege zum Grab möchte ich dann bei allem Verständnis auch nicht auf einer Art Bollerwagen transportiert werden, sondern anständig getragen werden. Und dies, wenn es möglich sein sollte von Euch. An den städtischen Trägern, die ich vermutlich nicht einmal persönlich kannte und die man laut Gebührenordung der Stadt Brühl buchen kann, hätte ich wenig Freude. Auf dem Bollerwagen könnt Ihr von mir aus dann gerne den Grill (Scampispieße und Salat für die Vegetarier nicht vergessen!) und das Kölsch transportieren, aber bitte nicht mich. Und was ich auch ungern sehen würde ist, wenn irgend jemand auf die Idee kommt mir ein kleines Schild in mein Grab zu stecken, auf dem zu lesen ist, welche Firma für die Pflege des Grabes zuständig ist.
Wie sich diese unmögliche Praxis durchsetzen konnte ist mir echt ein Rätsel. Das finde ich ja so etwas von Geschmacklos, dass mir beinah die Worte fehlen. Es handelt sich doch hier um die “letzte irdische Ruhestätte”. Muss man denn da auch noch eine Werbetafel platzieren?. Wie Ihr wisst bin ich eh kein großer Gartenfreund. Um sich also eventuelle Arbeit zu ersparen, könnte ich mir auch ein paar schicke Steinplatten vorstellen. Natürlich beleuchtet, mit einer dezenten Lichtfuge, ausgestattet mit LED´s und natürlich Solarbetrieben.

Was eventuelle Abschiedsreden betrifft, schaut Euch bitte genau an was der Pfarrer da kundtun möchte. Und prüft vorher die Qualität der Beschallungsanlage. Ich kann mich noch an einen Messdiener mit Akkukoffer und einen Pfarrer mit Megaphon erinnern. Das geht auch besser…

Inhaltlich benötige ich wirklich nicht die Standards mit Sünden vergeben usw. Was die Sünden betrifft, so habe ich auch hier ein echt reines Gewissen. Und mal abgesehen von Jugendsünden die ich zu damaligen Zeiten wirklich noch gebeichtet habe, hat mich im den weiteren Existenzabschnitten das normale Leben auf den richtigen Weg gebracht. Den zehn Geboten zu folgen, ist als Rheinländer auch nicht besonders schwer. Die Formulierung ist vielleicht eine andere, aber der Inhalt der Aussage ist schon recht identisch. So heißt es im neunten Gebot: “Du sollst nicht begehren deines nächsten Haus”. In Köln sagt man etwas volkstümlich: “Mer muss auch jönne könne” (Man muss auch gönnen können). Zugegeben, dass zehnte Gebot könnte man in der Tat diskutieren, aber im biblischen Sinne zählte eine Frau wohl eher zum Hausrat, ähnlich wie eine Magd oder ein Knecht. Und wenn das Gebot sich auf die voreheliche Phase bezieht, bin ich fein raus. Die Zeiten haben sich halt geändert. Jedenfalls würde ich es begrüßen wenn Ihr Ihr ein paar persönliche Worte finden würdet, die mit meiner Person im Zusammenhang stehen. Und zum Abschluss lasst Euch gesagt sein, dass wenn ich mein bisheriges Leben so betrachte, ich zu dem Schluss komme das es Gott mehr als gut mit mir gemeint hat. Ich bin Gesund, habe den Weg vieler beeindruckender Menschen gekreuzt, und kann meinen Lebensuntehalt mit den Tätigkeiten verdienen die mir wirklich Spaß machen. Und auch mit der Damenwelt hatte ich, begonnen im frühsten Kindesalter, auch immer Glück. Zwei dieser schöpferischen Prachtexemplare haben es bisher gar mehr als zehn Jahre an meiner Seite ausgehalten, was bestimmt nicht immer einfach war.

Selbst die wenigen Tage die ich als weniger “prickelnd” empfunden habe möchte ich nicht missen. Schließlich haben mich diese Erfahrungen zu der Person gemacht, die ich dann in Euren Erinnerungen darstellen werde. Oder wie André Heller es einmal umschrieben hat: “Sich lernend verwandeln”. Und übertreibt es nicht mit der Beerdigung, sonst höre ich dann viele Jahre später einmal vom großen Meister, dass ich wohl eher als “a schöne Leich” platziert wurde. Aber lasst es Euch im Anschluss daran kulinarisch gut gehen, ich freue mich mit Euch.

Ich gehe aber mal davon aus, dass die obige Bedienungsanleitung eine der Anleitungen ist, die völlig überflüssig ist und deswegen nicht gelesen werden muss. Aber es kann halt auch immer anders kommen, als man so dachte, und dann sind das so hoffe ich ein paar sinnvolle Zeilen. Für den Fall des eben doch anders kommt sei noch erwähnt das ich Organspenden durchaus befürworte. Ich hatte auch mal so einen Ausweis ausgefüllt, aber wer weis wo der abgeblieben ist. Und was lebenserhaltende Maßnahmen betrifft, bitte ich diese zu nutzen soweit dies Verträglich erscheint. Sollte zum Beispiel mein Hirn dann nicht mehr so effektiv arbeiten wie bisher, oder ich extremste körperliche und bleibende Schäden zu erwarten haben, dann betätigt bitte den Netzschalter.

4 Responses to “Hinweise für meine Beerdigung”


  1. Claudia P. Says:

    Tja lieber Toni,
    was soll man dazu noch sagen?
    Das sind extrem präzise Vorstellungen und vorallem Gedanken, die Du Dir da gemacht hast. Vielleicht sollte ich mich an Dich wenden um meine eigenen Wünsche mal zu Papier zu bringen.
    Ich bin begeistert und es freut mich, dass Du Dein Leben so sehr magst, denn meist hört man ja nur beschwerden, weils extrem an Wertschätzung mangelt. An Dir sollten sich so einige ein Beispiel nehmen.
    Hab Deine Worte gern gelesen und ich würd sagen, wir sehen uns im Cafe.
    Liebsten Gruß
    Claudia

  2. Joern Borchert Says:

    1. Bestimmt gibt es Ruhe im Leben, wenn es so konkrete Anweisungen zum eigenen Ableben gibt. Gut auch, dass Sie das im Internet veröffentlicht haben. Da kann sich dann keiner mehr heruasreden, er hätte den Zettel verlegt…

    2. Ich würde mich sauisch freuen, wenn Sie mir und uns mehr darüber berichten würden, was sie bewegt, solange Sie noch leben. Das dürften ja wohl noch ein paar Jährchen sein, wo sie erleuchtend tätig sind. Also her mit ihren Gedanken zum Licht, zur Kunst, zur Technik – und zum Leben mit der Kunstlichttechnik.

    3. Ich freue mich sehr, dass es hierzulande wenigstens einen Weiteren gibt, der ebenfalls etwas zum Licht und seinen Möglichkeiten bloggt.

    4. Trinke auch gern Kaffee.

  3. Joern Says:

    Gute Idee, das Internet dazu zu nutzen, den Überlebenden mitzuteilen, was man haben will, wenn man nichts mehr sagen kann.
    Diese Idee werde ich kopieren. Hoffentlich bald!

  4. Joern Says:

    ;-)

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