Stadt Dortmund – Die LED´s auf Deinem U-Turm werden teuer!

U-Turm Dortmund

Foto: Mathias Bigge, Lizenz: GNU-Lizenz für freie Dokumentation.


In aller Regel landen unverlangt eingehende Ausschreibungen bei uns direkt im Mülleimer. Zeitweise erreichen uns diese eingesandten Papierstapel auf dem Postwege, so dass man die Rückseite wenigstens noch als Schmierpapier nutzen kann.

Den wirklichen Sinn dieser Procedures habe ich noch nicht verstanden. Die Absichten einer Ausschreibung sind sicherlich oft löblich, die praktische Handhabung lässt aber hier und da noch Wünsche offen.

Gemäß meiner Einschätzung kommt der ein oder andere Handwerker, also die Menschen die letztlich die Arbeit erledigen, finanziell schlecht weg. Dafür sieht man auf Baustellen immer öfter gut gekleidete Menschen in Anzügen, die rein optisch auf einer Baustelle wenig zu suchen haben. Aber dies ist ein anderes Thema…

Bleiben wir bei Euch Dortmundern und Eurer Auschreibung mit dem Titel “Planung, Lieferung und Montage einer LED Medienfassade zur künstlerischen Bespielung der Dachkrone des U-Turmes“.

Als uns die Anfrage erreichte, habe ich wie üblich freundlich und dankend abgelehnt. Wir haben ohnehin keine Langeweile, so dass allein aus der rein zeitlichen Perspektive eine zusätzliche LED-Fassade (und auch noch an einem denkmalgeschützten Gebäude…) zu Schwierigkeiten in unserem Hause geführt hätte.

Auf drängen eines langjährigen Partners aus der Leuchtenindustrie (Dieser im Gegensatz zu unserer Klitsche mit weltweit einigen hundert Mitarbeitern) habe ich mich überreden lassen, mich doch einmal mit der Ausschreibung zu beschäftigen.

Und liebe Stadt Dortmund. Ich musste feststellen, dass Euer Papier das dreisteste ist was ich in den letzten Jahren lesen konnte. Ich hoffe, dass Euch die Fachpresse und Institutionen wie die PLDA ordentlich dafür rüffeln und eventuell zur Ordnung rufen.

Mit den Tätigkeiten die Ihr da kostenlos erwartet, verdienen eine ganze Reihe namhafter Lichtplaner und Lichtdesigner Ihr täglich Brot. Ich schließe daraus, dass genau diese Menschen an Euer Ausschreibung nicht freiwillig teilnehmen werden. Damit habt Ihr bereits mit der Veröffentlichung der Ausschreibung jede Fachkompetenz ausgeschlossen. Jetzt hattet Ihr veröffentlicht, dass es bei Eurem Bauvorhaben die schlanke Summe von € 2,6 Millionen (ohne Mehrwertsteuer) zu verarbeiten gibt. Bei den aktuellen Zeiten und solchen Zahlen bekommt ein Vertriebler genetisch bedingt nicht nur Glanz in die Augen, sondern drängelt auch etwas hartnäckiger als üblich.

Letzlich verständigten wir uns darauf, dass die LightLife als “ausführender und installierender Betrieb” an Position drei einer “Bietergemeinschaft” doch an Euer Ausschreibung, von Euch als “Wettbewerblicher Dialog” tituliert,  teilnimmt. Ich ärgere mich jetzt noch über diesen Entschluss von mir…

Gemäß Euren Vorstellungen bekommt Ihr mindestens drei, höchstens aber acht Teilnehmer die Euch kostenlos eine Detailplanung für folgendes Bauvorhaben liefern:

Im Rahmen des Projektes “Ruhr 2010″ soll der U-Turm im Zentrum Dortmund zum “Zentrum für Kunst und Kreativität” umgestaltet werden. In diesem Rahmen soll die Dachkrone des Gebäudes unter Beachtung denkmalschützerischer und immissioinsrechtlicher Auflagen mit einer teiltransparenten Medienfassade in den unteren Kollonaden im siebten Obergeschoss auf der West-, Süd- und Ostseite sowie in den oberen Kollonaden in den Geschossen acht und neun auf allen Seiten versehen werden. Es sollen im Rahmen eines Wettbewerblichen Dialoges technische und gestalterische Lösungen für eine hier anzubringende teiltransparente LED-Medienfassade erarbeitet zu werden. Diese soll eine für die künstlerisch gestalteten Inhalte entsprechende Bildqualität aufweisen, die technischen Grundbedingungen erfüllen und sowohl architektonisch gestalterischen, wie auch denkmalschützerischen Anforderungen gerecht werden. Der Investitionsrahmen von max. 2.600.000,00 EUR (ohne Mehrwertsteuer) ist zwingend einzuhalten, Fertigstellung: 1. Quartal 2010.


Die Dachkrone des Gebäudes soll unter Beachtung denkmalschützerischer und immissionsrechtlicher Auflagen mit einer außen liegenden, segmentierten, transparenten LED-Installation (Medienfassade, ca. 600 m²) zur Darstellung künstlerischer Videosequenzen ausgestattet werden. Das LED-System muss 16,7 Mio. Farben (3×8bit) unterstützen und videofähig sein. Die Verkabelung der anzubringenden Elemente hat so zu erfolgen, dass Kabel- und Steckverbindungen unsichtbar verlegt werden. Für Besucher des Gebäudes sollen die Verkabelungen nicht sichtbar sein. Die weiteren Einzelheiten und Vorgaben sind konzeptabhängig und im Wettbewerblichen Dialog (max. 2 Dialogphasen) abzustimmen.


Um einer von den drei bis acht möglichen Teilnehmern zu werden, aus denen Ihr dan auswählt sind vorab folgende Unterlagen einzureichen:

Aktueller Handelsregisterauszug (nicht älter als 3 Monate) b) Gewerbeanmeldung c) (Eigen-)Erklärungen der Bewerber gem. § 8 Nr. 5 Abs. 1 a) – d) i.V.m. § 8a Nr. 4 VOB/A, dass: – Sie nachweislich keine schwere Verfehlung begangen haben, die ihre Zuverlässigkeit als Bewerber in Frage stellt, – Über ihr Vermögen das Insolvenzverfahren oder ein vergleichbares gesetzlich geregeltes Verfahren nicht eröffnet oder eine Eröffnung beantragt oder der Antrag mangels Masse abgelehnt worden ist, – Sich das Unternehmen des Bewerbers nicht in Liquidation befindet, – Sie ihre Verpflichtungen zur Zahlung von Steuern und Abgaben sowie der Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung ordnungsgemäß erfüllt haben. d) Bescheinigung der Berufsgenossenschaft über die rückstandslose Beitragsentrichtung e) Angaben über die berufliche Qualifikation der technisch fachkundigen Mitarbeiter f) Nachweis über das Vorliegen einer Betriebshaftpflichtversicherung über mind. 2 Mio EUR Deckungssumme.


III.2.2) Wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit:
Angaben und Formalitäten, die erforderlich sind, um die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen: Angaben über den Gesamtumsatz des Bewerbers der letzten 3 abgeschlossenen Geschäftsjahre (2005-2007) unter Darlegung von Konzernstrukturen und seines Umsatzes für Leistungen der letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahre (2005-2007), die mit der zu vergebenden Leistung (Planung und Installation von LED-Systemen) vergleichbar sind, einschließlich des Anteils von gemeinsam mit anderen Unternehmen ausgeführten Aufträgen.


III.2.3) Technische Leistungsfähigkeit:
Angaben und Formalitäten, die erforderlich sind, um die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen: 1. Erfahrung in mindestens zwei und höchstens fünf Vorhaben mit videofähigen LED-Installationen. Referenzliste, wie vor mit Angabe von – Art der ausgeführten Angaben – Auftragsvolumen – Auftraggeber mit Ansprechpartner und Telefonnummer 2. Angaben über eigene Entwicklungs- und Herstellungsleistungen in Bezug auf videofähige LED-Systeme 3. Evt. Zertifizierung nach ISO o.ä
.


Mal davon abgesehen, das mein Bruder Thomas Quodt einige Tage damit verbracht hat die benötigten Bescheinigungen beizubringen, hat dieser Datenstriptease bisher wenig mit der fachlichen Umsetzung Eures Bauvorhabens im Sinne. Weiterhin haben wir bei bereits realisierten Bauvorhaben unterschrieben, dass wir zum Beispiel über “Investitionskosten” stillschweigen bewahren werden. Zusätzlich gibt es unter unseren Kunden einige prominente Persönlichkeiten, die mehr als verärgert wären wenn wir deren Rufnummer an Dritte kommunizieren.

Der interessierte Leser wird es bereits ahnen. Ihr habt uns abgelehnt! Ich fasse es nicht…

Uns erreichte ein Briefbogen, der neben der namentlichen Nennung von ca. 30 Anwälten und Notaren folgende Information enthielt:

hiermit informiere ich Sie gem. § 27 VOB/A,  dass Ihr Teilnahmeantrag nicht weiter berücksichtigt werden  kann. Die formale Prüfung hat Folgendes  ergeben:

Ihr Teilnahmeantrag war unvollständig, da weder eine Gewerbeanmeldung noch eine Bescheinigung der  Berufsgenossenschaft über die aktuelle  Beitragsentrichtung vorlag. Ebenso fehlten Angaben zu  den Referenzen hinsichtlich der Umsatzvolumina sowie Angaben zu eigenen  Entwicklungs- und Herstellungsleistungen. Ihr  Angebot war daher gem. §25 Nr. 1 Abs. 1 b) i.  V. m. Abs. 2 und Nr. 2 Abs. 1 VOB/A auszuschließen.

Mit freundlichen  Grüßen
Rechtsanwalt ….


Ich glaube es wirklich nicht. Ihr schließt einen weltweit agierenden und namentlich bekanntes Unternehmen aus, weil dieses keine Gewerbeanmeldung beigelegt hat, bzw. die Bescheinignung der Berufsgenossenschaft über die ordentliche Beitragsentrichtung fehlte? Und bei uns nölt Ihr über die begründete, aber fehlende Angabe zu Kundenumsätzen? Euch ist wirklich nicht zu helfen…

Aber eines habt Ihr erreicht. Ich ärgere mich mächtig über mich selbst. Wie konnte ich so dämlich sein und  mich erst auf eine Ausschreibung einlassen, um dann offiziell abgelehnt zu werden?

Legt schon einmal Geld beiseite, um mich für zukünftige Anfragen zu besänftigen…

Liebe Stadt Dortmund,
die Idee zu Eurem Vorhaben stammt, wenn man den Medien glauben darf, von Filmemacher Adolf Winkelmann der sich wohl in Teilen aus Eurem kreativen Kreise verabschiedet hat. Der Mann ist Filmemacher und kein Lichtdesigner, was gerade bei derartigen Vorhaben einen wirklichen Unterschied macht.

Das was Ihr gerne an Technik hättet, gibt es noch nicht auf dieser Welt. Sicherlich sind  Technologien verfügbar die eine Transparenz von 40% bis 60% versprechen (z.B. das Traxon Mesh RGB, die Martin LC Plus Serie, oder die Produkte des Herstellers G-LEC), aber dies wäre bereits ein gestalterischer Kompromiss an einem denkmalgeschützten Bauwerk. Und Ihr müßtet mal schauen, wie man diese Produkte wetterfest macht. Für eine Montage im Außenbereich sind nicht alle Fabrikate geeignet.

Nahezu vollständige Transparenz und Außentauglichkeit lässt sich nur mit Produkten der Hersteller Glas Platz (Power Glass) oder LIF (Light Points) realisieren. Und dann wird noch eine weitere Hochtechnologie benötigt. Die Ablaufsteuerung. Hier könnte die Emotion-Software des Herstellers e:cue lighting control oder die visuelle Programmiersprache vvvv von Meso eine Lösung darstellen.

Die erste Firma, welche derartige Ideen zur Umsetzung gebracht hat, war die Kooperation powerpixxel, die im Januar diesen Jahres auf der Bau09 in München einen monochromen Prototypen einer transparenten Medienfassade vorgestellt hat. Und so sah es aus:

YouTube Preview Image

Und jetzt dürft Ihr mal raten wer dafür gesorgt hat das auch alles ordentlich funktioniert. Richtig, wir waren das…

Und an einer Lösung, wie derartige Bauvorhaben in RGB-LED-Technik realisert werden können, arbeiten wir gerade. Ein Prototyp ist bereits in Vorbereitung. Aber die Premiere wird sicherlich nicht in Dortmund zu betrachten sein… Dafür habt Ihr mich zu sehr geärgert…

2 Comments

  1. frank
    Posted 29. Juni 2009 at 16:40 | #

    Es gibt ein für dieses Projekt passendes Produkt, welches alle Anforderungen der Dortmunder erfüllt. TARMLED Strip 25 und entsprechender DVI controller.

  2. Posted 29. Juni 2009 at 20:50 | #

    Lieber Frank,
    da haben wir wohl eine unterschiedliche Auffassung von “Transparent”.

    Wer einen Blick auf die Website von TARMLED wirft, kann sehen das der Hersteller selbst eine Transparenz von 60% aufführt.

    Ich kenne Ralf Lottig noch als “Laser-Papst” und denke, die LED-Linie sind hochqualitative Produkte. Aber speziell für diese Anwendung nicht geeignet, ähnlich wie die anderen genannten Systeme.

    Und der Weg über DVI, und diese lästige “Grabber-Fenster” was immer verrutscht und von einigen Herstellern gerne angeboten wird, ist für dieses Projekt auch der völlig falsche Ansatz. Speziell wenn der kreative Kopf aus dem Bereich Film stammt. Dann hat der Mann sicherlich sehr detaillierte Vorstellungen, über die “separate und flexible” Bespielung der einzelenen Fenster.

    Da würde ich eine alternative Systemsteuerung aussuchen, welche ja auch die TARMLED´s vertragen.

    Danke für das Statement und Grüße aus Köln

2 Trackbacks

  1. [...] werden so manchem einfachem Handwerker auch eher aufstoßen. Dazu hätte ich auch noch eine Geschichte, fällt mir gerade so [...]

  2. [...] vermutet richtig, es gibt bereits Inhalte…  Gestern habe ich mir den Ärger über den “Wettbewerblichen Dialog” um den U-Turm der Stadt Dortmund von der Seele geschrieben… By Antonius Quodt Posted [...]

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